MATHIAS BARTOSZEWSKI

PALIMPSEST - AFTER THE GODDESS

... beschäftigt sich mit den Bildern, die sich Menschen von Weiblichkeit, Schöpfung und Macht gemacht haben – und mit dem, was von diesen Bildern bleibt, wenn sie überschrieben, verdrängt, zerstört und neu gedeutet werden.
Ausgangspunkt sind weibliche Figuren und Texte aus unterschiedlichen Zeiten und kulturellen Zusammenhängen: von frühen Vorstellungen einer weiblich geprägten Schöpfung über Göttinnen und mythische Gestalten bis zu Frauenfiguren der europäischen Geschichte und Literatur. Die Arbeit wie sich Bilder verändern, wenn sich die gesellschaftlichen Vorstellungen verändern, die Verhältnisse ändern die sie hervorgebracht haben.
Im Zentrum steht dabei das Palimpsest: eine Oberfläche, auf der etwas geschrieben, ausgelöscht und erneut beschrieben wird, wobei das Vergangene niemals vollständig verschwindet.
Diese Idee wird zum künstlerischen Verfahren. Figuren werden gemalt, übermalt, verklebt, zerstört und wieder freigelegt. Texte werden gesprochen, verändert und in neue Zusammenhänge gestellt. Videos zerlegen Bewegungen und Bilder, beschleunigen sie oder kehren sie in Zeitlupe zurück. Projektionen legen vergangene Zustände über gegenwärtige Bilder.
So entsteht eine Arbeit zwischen Malerei, Zeichnung, Text, Video, Bewegung, Musik und Installation.

FIGUREN UND TEXTE
Göttinnen, mythische Frauenfiguren und historische Frauen erscheinen nicht als abgeschlossene Porträts, sondern als Spuren eines kulturellen Gedächtnisses. Ihre Geschichten wurden über Jahrhunderte erzählt, umgedeutet, verdrängt oder in neue religiöse und gesellschaftliche Systeme eingepasst.
Die Figuren werden deshalb nicht nur dargestellt. Sie werden zum Ausgangspunkt eines Denkprozesses.
Was geschieht mit einer Figur, wenn ihre Geschichte überschrieben wird?
Was bleibt sichtbar?
Und was beginnt unter dem neuen Bild wieder hervorzutreten?
Die Texte und Figuren bilden das Material, aus dem sich die weiteren Räume der Installation entwickeln.

MALEREI
Eine Figur entsteht langsam. Sie wird betrachtet, verändert, verworfen und erneut aufgebaut. In diesem Prozess können Widersprüche sichtbar werden, die sich sprachlich nur schwer fassen lassen.
Die gemalten Frauenfiguren werden deshalb immer wieder überarbeitet. Farbe verdeckt Farbe, Linien verschwinden, Formen werden zerstört und tauchen an anderer Stelle wieder auf.
Aus der Übermalung entsteht ein Bild, das mehrere Zustände gleichzeitig enthält.
Das Bild wird damit selbst zum Palimpsest: Die sichtbare Oberfläche ist nur die letzte Schicht einer Geschichte, unter der frühere Bilder weiterexistieren.


INSTALLATION

Die Installation besteht aus vier Szenenbildern. Jedes Bild beschreibt einen anderen Zustand: Ursprung – Vertreibung – Erinnerung – Auflösung...ein Kreislauf, in dem Bilder entstehen, verdrängt werden, wieder sichtbar werden und sich schließlich erneut auflösen.


VIDEO

Die Figuren verlassen die statische Fläche der Malerei.
In den Videos werden einzelne Figuren und Motive in Bewegung versetzt. Körper, Gesichter und Gesten werden fragmentiert, wiederholt, beschleunigt oder verlangsamt.
Dabei geht es nicht um eine filmische Nacherzählung ihrer Geschichten. Das Video untersucht vielmehr die Veränderung eines Bildes durch Zeit und Bewegung.
Die gemalte Figur wird zum Körper.
Der Körper wird zur Bewegung.
Die Bewegung wird zur Projektion.
Damit entsteht ein Übergang von der Malerei in den installativen Raum.

 
 
 
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